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Erdoel

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Erdoel

siehe auch oelpreis Charts

Erdoel ist ein in der Erdkruste eingelagertes, hauptsaechlich aus Kohlenwasserstoffen bestehendes lipophiles Stoffgemisch. Erdoel ist der derzeit wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaften, der zur Erzeugung von Treibstoffen und fuer die chemische Industrie herausragende wirtschaftliche Bedeutung besitzt.

Farbe und Konsistenz variieren von transparent und duennfluessig bis tiefschwarz und dickfluessig. Erdoel hat auf Grund der Schwefelverbindungen einen charakteristischen Geruch. Manche Erdoelsorten fluoreszieren bei der Bestrahlung mit ultraviolettem Licht. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung des Erdoels.

Gefunden wurde Erdoel schon vor einigen tausend Jahren aufgrund der Tatsache, dass es eine niedrigere Dichte als Salzwasser hat und deshalb in den Hohlraeumen der Schieferton-, Sand- und Karbonatsedimente nach oben steigt und unter Umstaenden an der Erdoberflaeche zutage tritt (in Deutschland zum Beispiel bei Haenigsen zwischen Hannover und Braunschweig). Wenn es an undurchlaessigem Schieferton oder einer anderen dichten Gesteinsschicht nicht weiter aufsteigen kann und in nicht zu grosser Tiefe stecken bleibt, ist es schon durch nicht sehr tiefe Bohrungen aufzufinden.

Bis an die Erdoberflaeche hervorquellendes Erdoel, welches durch die Aufnahme von Sauerstoff asphaltartige Stoffe bildete, wurde schon vor 12.000 Jahren im vorderen Orient, vor allem in Mesopotamien, entdeckt. Die Menschen lernten die Eigenschaften dieses Naturprodukts zu nutzen: So erhielt man durch das Vermischen von Erdoel mit Sand, Schilf und anderen Materialien ein Produkt zur Abdichtung von Schiffsplanken.

Von den Babyloniern stammt das Wort „naptu“ (von nabatu = leuchten) fuer Erdoel, welches in der Bezeichnung „Naphtha“ gegenwaertig noch Bestand hat. Dieser Ausdruck deutet darauf hin, dass schon frueh das Erdoel zu Beleuchtungszwecken diente. Die Babylonier waren es auch, die wichtige Strassen und Zufahrten zu Kultstaetten mit einer duennen Asphaltschicht abdeckten. Die Verwendung von „Erdpech“ war im babylonischen Reich so allgegenwaertig, dass Hammurabi dem Stoff einige Kapitel in seinem Gesetzeswerk 1875 v. Chr. einraeumte - die nachweisbar erste staatliche Regulierung des Erdoels.

Die deutsche Bezeichnung Petroleum ist roemischen Ursprungs: „oleum petrae“, deutsch: Stein- oder Felsoel. Dies geht auf Entdeckungen der Roemer in aegypten zurueck, wo sie in einem Gebirgszug am Golf von Sues Erdoel aus dem Gebirge austreten sahen. Man vermutet, dass schon die roemische Armee Erdoel als Schmierstoff fuer Achsen und Raeder gebrauchte. Erdoel wurde auch schon frueh als Kriegswaffe eingesetzt. Im Byzantinischen Reich wurden bereits im Fruehmittelalter mit Erdoel recht modern anmutende Flammenwerfer gebaut, das so genannte „griechische Feuer“, eine besonders im Seekampf fuerchterliche Waffe.

Erdoel wurde lange Zeit auch fuer ein Heilmittel gehalten. Waehrend der oelboom-Jahre Nordamerikas in den 1860er Jahren gab es viele Quacksalber, welche das angebliche Wundermittel gegen allerlei Gebrechen verkauften.

Die aelteste Erdoelraffinerie sah das Tageslicht 1859, als der Amerikaner Edwin Drake durch Bohrungen grosse Mengen oel aus der Erde holte. Die Erdoelpreise sanken dramatisch und die Raffinerien nahmen in der Anzahl zu. Leuchtoele, besonders Petroleum ermoeglichten neue Lichtquellen. Die aelteste noch erhaltene Eroelraffinerie wurde 1875 von Per August Åhlund auf der Insel Barroen im See Åmaenningen, auch oelinsel genannt, erbaut. Da die Brand- und Explosionsgefahr gross war, war die Lage auf der Insel eine bewusste Platzierung. Sie liegt heute im Ekomuseum Bergslagen und ist im Sommer zu besichtigen.

Die eigentliche Ausbeutung der Erdoellagerstaetten begann aber erst im 19. Jahrhundert. Grund dafuer war zunaechst die Suche nach einem guten Lampenbrennstoff, denn Waloel war nur fuer die Reichen erschwinglich, Talgkerzen rochen unangenehm und Gasflammen gab es nur in wenigen, modernen Haeusern. Verschiedene Wissenschaftler entwickelten daraufhin in der Mitte des 19. Jahrhunderts Verfahren zur kommerziellen Nutzung. Der kanadische Arzt und Geologe Abraham Gesner erwarb 1852 ein Patent auf die Herstellung eines relativ sauber brennenden, preisguenstigen Lampenbrennstoffes aus Roherdoel: das Petroleum. 1855 schlug der amerikanische Chemiker Benjamin Silliman vor, Erdoel mit Hilfe von Schwefelsaeure zu reinigen, um es als Brennstoff zu verwenden.

Also begann man, groessere Erdoellagerstaetten zu suchen. Seit mehreren Jahren wusste man bereits, dass bei Bohrungen nach Wasser und Salz gelegentlich Erdoel in die Bohrloecher einsickerte. Also hatte man die Idee, direkt nach oel zu bohren. Die ersten Bohrungen wurden 1856 in Dithmarschen von Ludwig Meyn und 1858 bei Wietze in Niedersachsen, noerdlich von Hannover durchgefuehrt. Weltberuehmt wurde jedoch die Bohrung nach oel, die Edwin L. Drake am 27. August 1859 am Oil Creek in Pennsylvania durchfuehrte. Drake bohrte im Auftrag des amerikanischen Industriellen George H. Bissell und stiess in nur 21,2 Meter Tiefe auf die erste groessere oellagerstaette. Die erste Erdoelfoerderung im Untertagebau fand 1854 in Bóbrka bei Krosno (Polen) statt.

Nach der Einfuehrung elektrischen Lichts war Erdoel zunaechst nicht mehr attraktiv, doch bald nach der Entwicklung des Automobils setzte die Familie Rockefeller als Mitbegruender der Standard Oil Company die Verwendung des Erdoelprodukts Benzin statt des von Henry Ford zunaechst vorgesehenen Ethanols als Ottokraftstoff durch.

Entstehung

Der biogenetischen Theorie zur Erdoelentstehung gemaess ist Erdoel aus Meeresorganismen (Plankton) entstanden, die starben, absanken und auf dem Meeresboden von Sedimenten bedeckt wurden. Gemaess dieser Theorie waere der Grossteil der heutigen Erdoel-Vorkommen auf einen Zeitraum vor etwa 350 - 400 Mio. Jahren (Devon) zurueckzufuehren, als durch ein Massensterben einer bereits reichhaltigen Flora und Fauna (die gaengigsten Theorien nehmen einen Meteoriteneinschlag als Ursache an) sehr grosse Mengen an organischen Stoffen binnen sehr kurzer Zeit sedimentierten. Durch Absinken der Sedimente wurden diese organischen Materialien hohem Druck und hoher Temperatur ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen wandelten sie sich in so genannte Kerogene um, organische Stoffe, die vorwiegend aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Im Verlauf der weiteren Diagenese koennen die Kerogene bituminoes werden. Sedimentgesteine, die Kerogene enthalten, werden als Erdoelmuttergestein bezeichnet. Ein Beispiel fuer ein Erdoelmuttergestein mit fein verteilten bituminoesen Kerogenen ist oelschiefer aus dem Lias epsilon (unterer Jura).

Die fein verteilten Kerogene koennen unter bestimmten Bedingungen, vor allem bei hohen Temperaturen, wandern, da sie leichter als Wasser sind und durch dieses verdraengt werden. Beim Wandern („Migration“ des Erdoels) vereinigen sich die Kerogene zu kompakteren Massen, zu Erdoel. Die Migration verlaeuft im Grossen und Ganzen aufwaerts. Geraet das Erdoel unter undurchlaessige Erdschichten, die seine weitere Wanderung nach oben und nach den Seiten verhindern (Erdoelfallen), reichert es sich dort an und es entsteht so eine Erdoellagerstaette. Eine Erdoellagerstaette besteht also aus einem Speichergestein, dem in seinen Poren befindlichen Erdoel und mehr oder weniger Lagerstaettenwasser, das sich – sofern vorhanden – ebenfalls in den Poren des Speichergesteins befindet. Das Lagerstaettenwasser enthaelt oft geloeste Salze. Teilweise entstand unter aehnlichen Bedingungen Erdgas. Oberhalb von Erdoellagerstaetten kann sich deshalb eine Kappe aus Erdgas befinden. Oberflaechennahe, erdoelhaltige sandige Sedimente werden als Erdoelsande bezeichnet. Erdoel ist weltweit nicht gleich zusammengesetzt. So sind zum Beispiel in einigen Gebieten mehr Alkane, in anderen mehr Alkene enthalten, auch das Verhaeltnis von aliphatischen zu aromatischen Kohlenwasserstoffen ist verschieden.

Einer abiogenetischen Theorie nach, die weitaus weniger Vertreter als die biogenetische Theorie hat (siehe insbesondere Thomas Gold), existieren im Inneren der Erde von ihrer Entstehung an grosse Mengen Kohlenstoffverbindungen, darunter auch viele Kohlenwasserstoffe. Diese Kohlenstoffverbindungen werden wegen ihrer geringen Dichte in Richtung Erdoberflaeche aufgepresst. Die abiogenetische Theorie hatte viele Anhaenger unter Geologen in der Sowjetunion.

Gewinnung

Befindet sich die Erdoellagerstaette nahe der Erdoberflaeche, so kann das oel im Tagebau gewonnen werden, Beispiel: Athabasca-Erdoelsande, Alberta, Kanada. Zu Beginn der Erdoelnutzung wurde es an einigen Orten auch im Tiefbau gewonnen, zum Beispiel bei Wietze, westlich Celle (Niedersachsen, Deutschland). Aus tieferen Lagerstaetten wird Erdoel durch Sonden gefoerdert, die durch Bohrungen bis zur Lagerstaette eingebracht werden. Es existieren auch Bohrinseln, die ein Foerdern mitten im Meer ermoeglichen, wobei die Bohrplattformen spaeter teilweise durch Foerderplattformen ersetzt werden.

Beim Bohren entsteht das sogenannte Bohrklein, das unter anderem Wasser, geloeste Polymere und suspendiertes Baryt-Mehl enthaelt. Zum Bohren werden daher Hohlbohrer verwendet, die es gestatten, das Bohrklein aus dem Bohrloch zutage zu transportieren. Das Bohrwerkzeug besteht aus Stahlrohren, die zu einem immer laengeren Rohrgestaenge, dem Bohrstrang, aneinandergeschraubt werden koennen. Am unteren Ende befindet sich das eigentliche Bohrwerkzeug, der so genannte Bohrmeissel. Meistens besitzt der Bohrmeissel drei gegeneinander winklig angeordnete, gezaehnte Kegelrollen (Bild 1), die zum Bohren in hartem Gestein mit Diamanten besetzt sein koennen, aber auch andere Formen werden verwendet.

Meistens wird der gesamte Bohrstrang und damit auch der Bohrmeissel von einer motorgetriebenen Vorrichtung uebertage (Drehtisch) gedreht (Rotary-Verfahren). Der Bohrmeissel hat einen groesseren Durchmesser als das Rohrgestaenge, so dass um das Gestaenge herum ein Hohlraum entsteht (so genannter Ringraum), der zur Verhinderung seines Zusammenbrechens mit einem Stahlrohr ausgekleidet wird („Casing“)t

Um das Bohrklein herauszufoerdern, wird eine Bohrfluessigkeit durch das Bohrrohr eingepresst, die an der Bohrkrone austritt und im Ringraum zusammen mit dem Bohrklein wieder nach oben gedrueckt wird. Die Bohrfluessigkeit muss eine hohe Dichte und eine hohe Viskositaet aufweisen, damit sie durch das hohle Bohrgestaenge eingepresst und durch den Ringraum wieder ausgepresst werden kann und damit das Bohrklein dabei mitgerissen wird.

Mitunter wird die Bohrspuelung auch dazu benutzt, einen Motor direkt ueber dem Bohrmeissel anzutreiben, so dass nur der Bohrmeissel, nicht aber der gesamte Bohrstrang gedreht werden muss.

Um die einzelnen Rohre des Bohrgestaenges handhaben zu koennen, wird ueber dem Bohrloch ein Bohrturm errichtet (Bild 3), in dem sich beim Rotary-Verfahren auch der Drehtisch befindet.

Wenn die Gegebenheiten es erfordern, kann auch in weiten Boegen gebohrt werden, so dass eine Lagerstaette auch von der Seite aus erschlossen werden kann (siehe: Richtbohren), zum Beispiel bei Lagerstaetten unter besiedeltem, schwierigem, zu schuetzendem oder militaerisch genutztem Gelaende.

In groesserer Tiefe steht das Erdoel unter dem Druck der auflastenden Erdschichten und gegebenenfalls des assoziierten Erdgases und wird nach Anbohren aus dem Bohrloch gepresst, da es leichter als Wasser und das umgebende Gestein ist. Beim ersten Anbohren der Lagerstaette muss deshalb das Austreten des unter Druck stehenden oels mit einer speziellen Vorrichtung („Preventer“) verhindert werden, die sich am oberen Ende des Bohrgestaenges befindet. In der ersten Zeit kann das oel meistens ohne weitere Massnahmen durch den Eigendruck in der Lagerstaette gefoerdert werden (Primaerfoerderung). Laesst der Lagerstaettendruck nach, muss das oel mit Tiefpumpen zutage gefoerdert werden, die von uebertage ueber ein Bohrgestaenge angetrieben werden.

Der Lagerstaettendruck kann durch Einpressen von Wasser oder Erdgas mittels durch Bohrungen eingerichteter Einpresssonden erhoeht werden (Sekundaerfoerderung). Die Durchlaessigkeit des Speichergesteins kann durch Einpressen von Saeuren erhoeht werden, wodurch Komponenten des Speichergesteins, zum Beispiel Karbonate, geloest werden. Im Lauf der Lagerstaettenausbeutung steigt der Wasser-Anteil im Foerdergut, spaeter wird in der Regel mehr Wasser als oel gefoerdert, zum Teil mehr als 90 % Wasser. Durch primaere und sekundaere Foerderverfahren koennen je nach Lagerstaettenverhaeltnissen etwa 20 bis 50 % des Erdoels, das sich in der Lagerstaette befindet („oil in place“) gewonnen werden. Der Rest wird durch die beschriebenen Foerderverfahren nicht von den Feststoffen des Speichergesteins abgeloest. Weiteres oel kann aber durch spezielle Verfahren gewonnen werden (Tertiaerfoerderung). Dazu gehoeren:

Waermeverfahren: Einpressen von Heisswasser oder Heissdampf („Dampffluten“) oder Verbrennen eines Teils des Erdoels in der Lagerstaette;
Einpressen von N2 (Stickstoff);
Einpressen von CO2 (Kohlenstoffdioxid), das den Lagerstaettendruck erhoeht und sich im oel loest und dadurch dessen Viskositaet vermindert („CO2-Fluten“);
Einpressen von Leichtbenzin oder Fluessiggas, die ebenfalls die Viskositaet des oels erniedrigen.
Einpressen von waessrigen Loesungen Viskositaet erhoehender Stoffe (organische Polymere), wodurch das oel besser von den Feststoffen abgeloest wird („Polymerfluten“);
Einpressen von waessrigen Loesungen grenzflaechenaktiver Stoffe (Tenside), die sich an den Grenzflaechen oel/Feststoff und oel/Wasser anreichern und so das oel vom Feststoff loesen und im Wasser fein zerteilen, emulgieren („Tensidfluten“).

Die Tertiaerverfahren werden teilweise auch kombiniert. Ein betraechtlicher Rest des Erdoels kann aber bisher mit keinem Verfahren aus der Lagerstaette gewonnen werden.

Besondere Schwierigkeiten bereitet die Erdoelfoerderung aus Lagerstaetten, die sich unter Gewaessern befinden („Off-shore-Gewinnung“). Hier muessen zur Erschliessung der Lagerstaette auf dem Gewaessergrund stehende oder darueber schwimmende Bohrplattformen (Bild 5) eingerichtet werden, von denen aus gebohrt und spaeter gefoerdert werden kann. Hierbei ist das Richtbohren vorteilhaft, weil dadurch von einer Bohrplattform ein groesseres Areal erschlossen werden kann.

Erdoel ist der derzeit wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaften. Es ist wichtig zur Erzeugung von Elektrizitaet und als Treibstoff fast aller Verkehrs- und Transportmittel. Daneben wird Erdoel in der chemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoffen und anderer Chemieprodukte vielfach eingesetzt. Aus diesen Gruenden wird es auch "Schwarzes Gold" genannt.

Chemische Produkte aus Erdoel

In der Erdoelraffinerie wird das Erdoel in seine unterschiedlichen Bestandteile aufgespalten. Man unterscheidet Erdoel als Naturprodukt von Rohoel in der Industrie vor der Verarbeitung und von Mineraloel, wie Produkte nach der Verarbeitung (Benzin, Kerosin, Heizoel, Schmieroel) des Erdoels genannt werden.

In der chemischen Industrie nimmt das Erdoel eine bedeutende Stellung ein. Die meisten chemischen Erzeugnisse lassen sich aus ca. 300 Grundchemikalien aufbauen. Diese Molekuelverbindungen werden heute zu ca. 90 % aus Erdoel und Erdgas gewonnen. Zu diesen gehoeren : Ethen, Propen, Butadien, Benzol, Toluol, o-Xylol, p-Xylol (diese stellen den groessten Anteil dar). Aus der weltweiten Foerdermenge des Erdoels werden ca. 6–7 % fuer die chemischen Produktstammbaeume verwendet, der weitaus groessere Anteil wird einfach in Kraftwerken und Motoren verbrannt. Die Wichtigkeit dieser Erdoelerzeugnisse liegt auf der Hand: Gibt es kein Erdoel mehr, muessen diese Grundchemikalien ueber komplizierte und kostenintensive Verfahren mit hohem Energieverbrauch hergestellt werden. Der chemische Baukasten des Erdoels wird verwendet, um fast jedes chemische Erzeugnis zu produzieren. Dazu gehoeren Farben und Lacke, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel, um nur einige zu nennen.

Erdoel

Als zentraler Rohstoff ist Erdoel auch Gegenstand der Spekulation. oel wird selbst in Warentermingeschaeften (oelkontrakte) gehandelt; der oelpreis beeinflusst auch die allgemeinen Boersenkurse, weil in vielen Branchen eine Abhaengigkeit vom oelpreis besteht oder gesehen wird. Zwei sehr wichtige Rohoelsorten sind Brent und West Texas Intermediate.

Weltreserven und Bevorratung

Fuer das Jahr 2004 wurden die bestaetigten Weltreserven je nach Quelle auf 1260 Milliarden Barrel (171,7 Milliarden Tonnen nach oeldorado 2004 von ExxonMobil) bzw. auf 1148 Milliarden Barrel (156,6 Milliarden Tonnen nach BP Statistical Review 2004) berechnet. Das Wissenschaftsmagazin Science ging 2004 sogar von Reserven von insgesamt drei Billionen Barrel aus. Die Reserven, die geortet sind und mit der heute zur Verfuegung stehenden Technik wirtschaftlich gewonnen werden koennen, nahmen in den letzten Jahren trotz der jaehrlichen Foerdermengen jeweils leicht zu und erreichten im Jahre 2004 den hoechsten jemals berechneten Stand. Waehrend die Reserven im Nahen Osten, Ostasien und Suedamerika aufgrund der Erschoepfung von Lagerstaetten und unzureichender Prospektionstaetigkeit sanken, stiegen sie in Afrika und Europa leicht an. Es wird vorausgesagt, dass die Erdoelreserven nur noch 50 Jahre den Weltverbrauch decken koennen. Die Tatsache, dass aehnliche, nicht eingetretene Vorhersagen bereits in der Vergangenheit getroffen wurden, hat den Begriff Erdoelkonstante hervorgebracht. Im Jahre 2003 befanden sich die groessten Erdoelreserven in Saudi-Arabien (262,7 Milliarden Barrel), im Iran (130,7 Milliarden Barrel) und im Irak (115,0 Milliarden Barrel), darauf folgten die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Venezuela (siehe 1 fuer eine genaue Tabelle).

Kritiker dieser Angaben weisen allerdings darauf hin, dass die Zahlen haeufig aus politischen Gruenden verfaelscht wurden. Zudem melden viele Laender jaehrlich dieselben Zahlen, obwohl sie gleichzeitig grosse Mengen Erdoel foerdern; die Zahlen werden also oft nicht angepasst. Darueber hinaus wird nach Schaetzungen unabhaengiger Experten im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die als Peak-Oil bekannte Spitze der Hubbert-Kurve erreicht werden. Das Erreichen dieses 'oelfoerdermaximums' ('peak') bedeutet, dass weltweit die Foerderung bzw. Produktion von Erdoel nicht mehr erhoeht werden kann. Infolge dessen wird der oelpreis unausweichlich und in hohem Masse steigen, da bei stetig wachsendem Verbrauch das Angebot die Nachfrage nicht mehr bedienen kann.

Die Laender der Europaeischen Union sind verpflichtet, einen 90-Tage-Vorrat an Erdoel fuer Krisenzeiten zu unterhalten. Ein grosser Teil der deutschen und ein kleinerer Teil der auslaendischen Vorraete liegt in den unterirdischen Kavernenanlagen im Zechsteinsalz im Raum Wilhelmshaven, wohin auch das meiste Erdoel nach Deutschland eingefuehrt wird.

Weltfoerderung

Bislang wurden in der Geschichte der Menschheit rund 900 Milliarden Barrel Erdoel gefoerdert. Die meisten Reserven wurden in den 1960er Jahren entdeckt. Ab Beginn der 1980er Jahre liegt die jaehrliche Foerderung (2005) bei 30,4 Milliarden Barrel (83,3 Millionen Barrel pro Tag[1]) - ueber der Kapazitaet der neu entdeckten Reserven, sodass seit dieser Zeit die vorhandenen Reserven abnehmen. Deshalb wird von den meisten Experten mit einem Foerdermaximum (→ Peak-Oil) zwischen 2010 und 2020 gerechnet. Einige gehen sogar davon aus, dass das Maximum noch vor 2010 eintreten wird oder sogar schon eingetreten ist (Kenneth Deffeyes, Colin J. Campbell, Jean Laherrere). Das wirtschaftliche Problem besteht darin, dass bei Erreichen dieses weltweiten Foerdermaximums Erdoel immer knapper und teurer werden wird, weil dann der taegliche Erdoelbedarf groesser sein wird als die taegliche Erdoelfoerdermenge. Da seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts weltweit mehr oel verbraucht als gefunden wird, sind auch die Zeitangaben problematisch, die besagen, dass unter derzeitigen Voraussetzungen - das heisst bei gleichem Verbrauch, statische Reichweite) - die Erdoel-Reserven noch bis 2048/49 reichen werden. Zudem ist dies irrefuehrend, da der taegliche Erdoelverbrauch im Laufe der letzten Jahrzehnte immer gestiegen ist und sich dieser Trend durch das grosse Wirtschaftswachstum vor allem Chinas und Indiens verstaerkt hat. Des Weiteren ist es nach Ansicht von Experten unwahrscheinlich, dass in Zukunft groessere oelfelder gefunden werden, die den Bedarf decken koennten. Andere Erdoelvorkommen wie oelsand wuerden zwar noch laenger reichen, erfordern aber einen viel hoeheren Energieaufwand beim Abbau.

Hauptfoerderer von Erdoel waren im Jahr 2003 Saudi-Arabien (496,800 Millionen Tonnen), Russland (420,000 Millionen Tonnen), USA (349,400 Millionen Tonnen), Mexiko (187,800 Millionen Tonnen) und Iran (181,700 Millionen Tonnen); die gesamte Weltfoerderung lag bei 3.608,600 Millionen Tonnen (siehe 1 fuer eine genaue Tabelle). Die Erdoelfoerderung in Deutschland ist im internationalen Vergleich unbedeutend und findet fast ausschliesslich in den Bundeslaendern Schleswig-Holstein und Niedersachsen statt.

Weltverbrauch

Der taegliche Verbrauch weltweit liegt bei etwa 84 Millionen Barrel. USA (20,1 Millionen Barrel), Volksrepublik China (6 Millionen Barrel), Japan (5,5 Millionen Barrel) und Deutschland (2,7 Millionen Barrel) waren im Jahr 2003 Hauptverbraucher des Erdoels (siehe 1 fuer eine genaue Tabelle). Der Weltverbrauch steigt derzeit um 2 % pro Jahr an.

Der jaehrliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei den Industriestaaten deutlich hoeher als bei Entwicklungslaendern. So lag der Verbrauch in den USA 2003 bei 26,0 Barrel pro Einwohner, in Deutschland bei 11,7, waehrend in China statistisch auf jeden Einwohner 1,7 Barrel kamen, in Indien 0,8 und in Bangladesch nur 0,2 Barrel pro Kopf verbraucht wurden.

Deutschland importierte im Jahr 2004 110,140 Millionen Tonnen Rohoel. Hauptausfuhrstaaten sind Russland, Norwegen, Grossbritannien und der OPEC-Staat Libyen.

Verschiedenes

Aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist Erdoel auch Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Der Gewinn aus der oelfoerderung besteht in der Differenz des Foerderpreises von ca. 5$ pro Barrel (1 Barrel = ca. 159 Liter oel) zum Weltpreis von ca. 60$ - insgesamt also ein jaehrlicher Reingewinn von ueber 1,3 Billionen Dollar. In der oelkrise versuchte die OPEC, Einfluss auf den Nahostkonflikt zu nehmen. Auch die gegenwaertigen Kriege und Krisen um den Irak sind nach Meinung vieler Kritiker Auseinandersetzungen um den Zugang zum Erdoel.

Da die Erdoelvorkommen der Welt endlich sind, werden Wege gesucht, regenerative Energieformen wie beispielsweise Sonnenenergie, Windenergie, Erdwaerme, Biodiesel, Pflanzenoel zu nutzen. Deutschland ist im Bereich Erdoel stark importabhaengig. Daher ist seit 1978 der Erdoelbevorratungsverband mit der Schaffung einer Erdoelnotreserve beauftragt.

Die Produkte des Erdoels (Benzin und Heizoel) stellen gleichzeitig ein kompaktes Medium dar, um Energie zu speichern oder zu transportieren. Als Alternative wird ueber den Gebrauch von Wasserstoff als Energiespeicher nachgedacht. Dazu muss er aber erst einmal unter sehr hohem Energieaufwand mittels Elektrolyse oder anderer Verfahren aus Wasser hergestellt werden. Dann muss er fuer den Transport z. B. verfluessigt werden. Dazu wird nochmals viel Energie verbraucht. Wasserstoff koennte direkt verbrannt (thermische Nutzung) oder mittels Brennstoffzellen in elektrische Energie umgewandelt werden und Motoren (beispielsweise im Elektrofahrzeug) antreiben.

Die Dichte von Erdoel (besonders Rohoel) wird in API-Grad gemessen. Das Raummass von Erdoel wird in Barrel gemessen.

Die Verarbeitungsketten in der oelindustrie werden durch die Begriffe Downstream und Upstream charakterisiert.

Im Handel und auch an den Boersen wird unterschieden zwischen "saurem" (sour) und "suessem" (sweet) Rohoel (crude oil), wobei dann noch einmal differenziert wird zwischen schwerem (heavy) oder leichtem (light). Die Klassifikationen dienen zur Einordnung der Verwend- bzw. Raffinierbarkeit. "Sauer" bedeutet, dass das Rohoel einen hoeheren Schwefelgehalt hat. Aus diesem Grund ist die Raffinierung aufwendiger.

Transport

Erdoel wird weltweit ueber weite Entfernungen transportiert. Der Transport von den Foerderstaetten zu den Verbrauchern geschieht auf dem Seeweg mit oeltankern, ueber Land ueberwiegend mittels Rohrleitungen (Pipelines).

Folgen

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben die oelfoerderung und ihre Begleiterscheinungen in manchen Entwicklungslaendern erhebliche wirtschaftliche, soziale und oekologische Probleme verursacht. Pipelines werden angezapft und ganze Tankschiffe beispielsweise in Nigeria von bewaffneten Gruppen entfuehrt, um das gewonnene Gut (ca. 2,25 Mio. Barrel am Tag) gegen Waffen bei Hehlern zu verkaufen, da viele bewaffnete Gruppen des Nigerdelta sich von dem Staat oft verraten und vor allem von den groesseren Mineraloelkonzernen bestohlen und ausgebeutet fuehlen. Dies fuehrte unter anderem zur blinden Gewalt von Seiten des Staates, wobei eine ganze Kleinstadt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Shell sprach von 1000 Gewaltopfern jaehrlich, amnesty international dagegen von rund 500 Opfern allein in einer Woche.

Oft gelangt oel in das Grundwasser o. a. Ebenso entstehen immense Schaeden fuer das oekosystem, wenn groessere Mengen von oel entzuendet werden, da beispielsweise eine brennende oelquelle oder evtl. sogar ein oelfeld schwer zu loeschen ist. Auch Tankerunfaelle koennen fuer die Umwelt sehr schaedlich sein und ganze Sandstraende mit Teerklumpen verschmutzen oder mit einem schwarzen oelteppich ueberziehen. Viele Tiere, vorrangig Voegel, denen das oel das Gefieder verklebt und deren Nahrung verdirbt, verenden elendig. Es kommt auch vor, dass oeltanker auf dem Meer ihre Tanks mit Meerwasser ausspuelen, einerseits zur Reinigung, andererseits, weil sie bestimmte Mengen an Wasser aus Stabilitaetsgruenden als Ballast geladen haben muessen. Siehe auch: Exxon Valdez

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