Bioethanol als Kraftstoff
Grundsaetzlich ist oel eine endliche Ressource. Viel wichtiger ist allerdings die Feststellung, dass wir
weit von einem Ende des oelzeitalters entfernt sind. Die Weltoelreserven sind mehr als ausreichend, um
den Weltbedarf fuer die naechsten 50 Jahre und erheblich darueber hinaus zu decken. Die Verfuegbarkeit
ist abhaengig vom Preis, den die Volkswirtschaft bereit ist fuer das oel zu zahlen. Der oelpreis bestimmt
die Investitionen in Erschliessung und Foerderung bestehender und neuer Ressourcen. Solange auf ein
Barrel oel zum Marktwert von 50 $ umgerechnet in Deutschland weitere 130 $ an Steuern aufgeschlagen
werden koennen, scheint auch dieses Problem loesbar zu sein.
Die Beantwortung der Frage nach der Reichweite des oels schliesst die Betrachtung der Reserven,
Ressourcen, die Preisabhaengigkeit und schliesslich auch die Betrachtung alternativer Energiequellen
ein, deren Einsatz nicht unerhebliche Rueckwirkungen auf die Reichweite des oels haben kann.
Reserven und Ressourcen
Mit Blick auf die Rohoelvorraete haelt sich beharrlich das Vorurteil, die Vorraete seien in wenigen
Jahrzehnten erschoepft. Scheinbar ist dies der einzige Weg, um Alternativen gegen das relativ
preiswuerdige oel mit hohem spezifischen Energiegehalt und dichtem Versorgungsnetz zu positionieren.
Einen Vorschub fuer Missinterpretationen liefert die periodische Veroeffentlichung der oelreichweiten, die
ausschliesslich eine Momentaufnahme darstellen. Daraus die Aussage „oel reicht nur noch fuer wenige
Jahrzehnte” abzuleiten, ist
genau aus diesem Grund
falsch. Die Rechweite der
oelreserven entwickelt sich
dynamisch. Nach dem
Zweiten Weltkrieg waren
die oelreserven nur etwa
20mal so gross wie der
damalige Verbrauch. Bis
zu Beginn der 70er Jahre
hatte sich nicht nur die
weltweite oelfoerderung etwa
verfuenffacht, auch die
oelreserven waren
gestiegen. 1972 warnte der
Club of Rome, die
oelvorkommen wuerden binnen
25 Jahren zu Ende
gehen. Doch obwohl von
1970 bis heute rund 100 Mrd. Tonnen Rohoel gefoerdert wurden, erhoehten sich die oelreserven im gleichen Zeitraum um ueber 100
Mrd. Tonnen. Warum also sind die oelvorraete noch immer nicht erschoepft, sondern sind im Gegenteil
mit 173 Milliarden Tonnen so gross wie nie zuvor?
Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie oelreserven definiert werden. Bei der Berechnung der
Reserven werden nur die Vorkommen beruecksichtigt, die bei dem durchschnittlichen Preisniveau der
letzten Jahre und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewonnen werden koennen. Die Einschaetzung der
Reichweite der oelreserven ist also von einer Vielzahl oekonomischer und technischer Faktoren
abhaengig. Allein in der Foerdertechnik sind in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Fortschritte
erzielt worden. Als Mitte der 70er Jahre die Rohoelfoerderung in der Nordsee aufgenommen wurde,
beschraenkte man sich auf Gebiete mit Wassertiefen von bis zu 75 m. Heute foerdert man in der
Nordsee, wo besonders schwierige Bedingungen herrschen, in bis zu 400 m Wassertiefe. In anderen
Gebieten der Erde wird bereits in 3000 m Meerestiefe gebohrt.
Je hoeher der durchschnittliche oelpreis, desto hoeher sind die wirtschaftlich gewinnbaren oelreserven,
weil auch schwerer zugaengliche Vorkommen erschlossen werden koennen. Fortschritte in der
Foerdertechnik erhoehen die gewinnbaren oelvorraete weiter. Heute koennen bspw. die kanadischen
oelsande zu Kosten von unter 15 $ / Barrel erschlossen werden – ein Erfolg, den noch vor zehn Jahren
niemand fuer moeglich gehalten hat. Durch die Anerkennung dieser Reserven konnte Kanada an die
zweite Stelle der oelreichsten Laender aufsteigen. Andere Teile der nichtkonventionellen
Vorkommen
sind in der Betrachtung der Reserven nicht erfasst, wie Schweroele und die in oelschiefer und oelsanden
gebundenen Vorkommen. Bezieht man solche Ressourcen in die Berechnungen ein, ergibt sich, dass
die oelvorkommen auch in einigen Jahrhunderten noch nicht erschoepft sein werden. Eine weitere
Ressource stellen Lagerstaetten dar, die zwar bekannt sind, die aber erst bei hoeheren Preisen
wirtschaftlich gewonnen werden koennen. Bei einem oelpreis von 40 $/Barrel werden die sicher
gewinnbaren oelreserven auch in hundert Jahren noch nicht erschoepft sein.
Vielfach wird die geringe Zahl grosser oelfunde der vergangenen Jahre als ein Indiz fuer das nahe Ende
des oels gedeutet. In der Tat hat sich die durchschnittliche Feldgroesse verringert. Ursache hierfuer ist,
dass die aussichtsreichsten Ressourcen in Regionen liegen, die unter der Kontrolle staatlicher
Unternehmen stehen.
Diese stehen weitgehend
nicht fuer auslaendische Investitionen
offen. Deshalb
sind die Investitionen der
vergangenen Jahre in
grundsaetzlich weniger Erfolg
versprechende Regionen
geflossen.
Es besteht also kein
Grund, der Strategie der
Bundesregierung „Weg
vom oel“ das Wort zu
reden. Eine solche Strategie
ist angesichts der
Verfuegbarkeit, der Bedeutung
und der Vorteile von
Mineraloel weder sinnvoll
noch realistisch. Durch
seine Anwendungsvielfalt,
seine vergleichsweise einfache Handhabbarkeit und seine Preiswuerdigkeit ist Mineraloel anderen
Energietraegern als Energiequelle fuer die Mobilitaet ueberlegen.
oelpreis und Versorgungssicherheit
Unabhaengig von der langfristigen Reichweite kann die kurzfristige Verfuegbarkeit zu einem
entscheidenden Faktor werden und massgeblich auf die oelpreise einwirken. Gerade in Phasen
emotional getriebener Preise kann die Hoehe der freien Foerderkapazitaet Preis bestimmend sein. Im
Jahr 2004 sank die Reservekapazitaet bei einem Weltbedarf von 82,5 Millionen Barrel pro Tag auf
unter 2 Millionen Barrel pro Tag. Obwohl die Lieferfaehigkeit zu keinem Zeitpunkt eingeschraenkt war,
fuehrte unter anderem die geringe
freie Foerderkapazitaet zu
Preissteigerungen. Die niedrigen
Rohoelpreise in den 1990er
Jahren, die ein ueberangebot an
Rohoel signalisierten und Investitionen
in neue Foerderkapazitaet
hemmten, wirken sich heute aus.
Dies und der Nachfrageanstieg
der vergangenen Jahre liess die
Reservekapazitaeten zusammenschrumpfen.
Die Folge sind starke
Preisanstiege, die heute Anreiz
fuer Investitionen in die Foerderung
sind.
Angesichts eines steigenden
Rohoelbedarfs muessen in den
kommenden Jahren erhebliche Mittel fuer die Erweiterung der Rohoelfoerderkapazitaeten bereitgestellt
werden. Ein oelpreis, der angemessene Renditen fuer die Investitionen verspricht, traegt somit wesentlich
oelabhaengigkeit des Bruttoinlandsprodukts
Die Kaufkraft der Autofahrerinnen und Autofahrer in Bezug auf die Kraftstoffpreise ist in den
vergangenen gut 30 Jahren deutlich gewachsen. So betrug das Durchschnittseinkommen im Produzierenden
Gewerbe in
Westdeutschland im Jahr
1972 knapp 820 Euro,
waehrend fuer einen Liter
Eurosuper ohne Steuern ein
Preis von 11,8 Cent bezahlt
werden mussten. Im Jahr
2003 war der Durchschnittsverdienst
auf 2.560 Euro
angestiegen, waehrend der
Preis fuer Eurosuper ohne
Steuern rund 29 Cent pro
Liter betrug. Trotz des hohen
oelpreisniveaus koennte der
durchschnittliche Bundesbuerger
im Jahr 2003 also fast
41 % mehr Liter Superbenzin
fuer sein Einkommen tanken
als noch im Jahr 1972, wenn
die Steuerbelastung des Benzinpreises unberuecksichtigt bleibt. Ein anderes Bild bietet dagegen die Einkommensentwicklung in Bezug auf die Bruttopreise an den
Tankstellen inkl. Mineraloelund
Mehrwertsteuer: Durch die staendige Erhoehung der Steuerbelastung
des Benzinpreises schoepft der Staat fast den gesamten Kaufkraftgewinn der Autofahrerinnen und
Autofahrer ab. Der Benzinpreis mit Steuern stieg von 35,3 Cent pro Liter im Jahr 1972 auf 109,5 Cent
im Jahr 2003. Damit kann der durchschnittliche Buerger heute gerade einmal gut 10 % mehr Liter
Superbenzin tanken als vor gut 30 Jahren.
Die oelabhaengigkeit des
deutschen Bruttoinlandsprodukts
(BIP) ist seit Beginn der
1970er Jahre deutlich gesunken.
Waehrend 1970 noch gut
127 Tonnen oel erforderlich
waren, um eine Million Euro
BIP (in 1995er Preisen) zu
erwirtschaften, genuegten im
Jahr 2003 61 Tonnen, um die
entsprechende Wirtschaftsleistung
zu erzeugen. Damit
hat sich der zur Erwirtschaftung
des realen Bruttoinlandsprodukts
benoetigte
oelverbrauch in den letzten gut
30 Jahren mehr als halbiert.
Bezugsquellen
Die Diversifizierung der Lieferlaender erhoeht die Versorgungssicherheit. Die Versorgung Deutschlands
mit Rohoel hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich veraendert. Bis weit in die 70er Jahre bezog
Deutschland Rohoel nahezu ausschliesslich aus OPECStaaten.
Erst mit der zweiten oelpreiskrise
1979/80 kam es zu deutlichen Veraenderungen der Importstruktur. Heute wird nur noch rund ein Fuenftel
des Rohoelbedarfs aus OPECQuellen
gedeckt; der groesste Teil der Importe stammt aus Russland,
Norwegen und Grossbritannien. Deutschland bezieht Rohoel aus insgesamt ueber 20 Staaten.
Die Abhaengigkeit von Energieimporten steht nicht im Widerspruch zu einer sicheren Energieversorgung,
sondern ist Bestandteil einer im internationalen Massstab wettbewerbsfaehigen Versorgung. Der
internationale Rohoelhandel beinhaltet wie alle Welthandelsbeziehungen sowohl Chancen als auch
Risiken. Die oekonomischen Vorteile des Welthandels uebersteigen jedoch die oekonomischen Risiken
der gegenseitigen Abhaengigkeiten bei weitem. Eine zunehmende wirtschaftliche und geopolitische
Vernetzung von Produzentenund
Verbraucherlaendern kann die Versorgungssicherheit erhoehen.
Alternativen
Andere fossile Primaerenergiequellen koennen eine potentielle Alternative zu Mineraloel darstellen.
Aktuell liefert die Umwandlung von Erdgas zu synthetischem Diesel im Gas to Liquids Prozess (GTL)
ein Beispiel fuer eine moegliche Diversifizierung der Versorgungsstruktur. Der momentane Hype der
Biokraftstoffdiskussion gibt Anlass die erneuerbaren Alternativen naeher zu betrachten. In der
politischen Diskussion werden gelegentlich die Preissteigerungen der letzten Zeit als Indikator fuer ein
Versiegen der oelquellen genannt. Es ist zwar abwegig, voruebergehende Entwicklungen im Rohoelmarkt
als Ende der Verfuegbarkeit von Rohoel zu interpretieren. Doch fuer die Protagonisten einer solchen These ist „Weg vom oel“ und hin zu alternativen Energien scheinbar eine logische Konsequenz.
Biokraftstoffe werden dabei haeufig als billigere Alternative zu herkoemmlichen Kraftstoffen propagiert.
Das Beispiel Biodiesel (RME) zeigt, dass dies eine Milchmaedchenrechnung ist. Biodiesel wird
hochgradig subventioniert – er traegt keine Steuerlast. Mit Steuern wuerde Biodiesel rd.1,30 € / Liter
kosten und damit noch einmal um rund die Haelfte teurer sein als Diesel. Und dabei sind schon Anbau
und Verarbeitung des Rapses subventioniert. Die heutigen erneuerbaren Alternativen kosten das
Zweibis
Vierfache konventioneller Loesungen. Dies wird sich trotz intensiver Forschung und
Entwicklung auf absehbare Zeit auch nicht aendern.
Noch unguenstiger wird die
Relation wenn Ottokraftstoffe
durch BioEthanol
ersetzt
werden sollen, wie einige
Bundesund
Landesinitiativen
es forcieren. Das Modell
Brasilien und des ZuckerrohrAlkohols
soll aus Deutschland
gespiegelt werden. In
Deutschland soll Ethanol aus
Getreide oder Zuckerrueben
hergestellt werden. Dadurch
liegen die Kosten des hiesigen
Ethanols mehr als doppelt
so hoch als das brasilianische
Angebot. Schutzzoelle
koennen diese Differenz nur
unzureichend ausgleichen.
Ethanol ist damit bis zum
vierfachen teurer als Benzin. Gegenueber diesen Kosten des heutigen Ethanols von umgerechnet ueber
150 $ pro Fass ist Rohoel mit 45 bis 50 $ billig. Die Preisschere zeigt, dass heutige Biokraftstoffe
keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Nur die Befreiung von der Mineraloelsteuer, die
Subventionen fuer die Landwirtschaft und fuer Produktionsanlagen fuer Biokraftstoffe lassen sie
wettbewerbsfaehig erscheinen. Die notwendige Foerderung des politischen Ziels einer 5 %igen
Biokraftstoffbemischung betraegt ueber 2 Mrd. € jaehrlich. Auch der Hinweis der gruenen Politik auf den
Beschaeftigungseffekt erscheint aeusserst Zweifelhaft. Die neunen Arbeitsplaetze in der Ethanolproduktion
werden hochgerechnet mit 150.000 € pro Mitarbeiter gefoerdert.
Benzin und Dieselkraftstoff werden auf lange Sicht die staerksten und wettbewerbsfaehigsten Kraftstoffe
bleiben. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung stellt zu Kraftstoffen fest, dass auch in
2020 noch rund 90% des Bedarfs durch fossile Kraftstoffe gedeckt wird. Auch langfristig wird es nicht
zu einer Angleichung der Kosten zwischen den fossilen und biogenen Kraftstoffen kommen, da fuer die
Produktion der Biokraftstoffe bis zu
80 Prozent fossile Energie eingesetzt
werden muessen.
Dies bedeutet aber
gleichzeitig, dass die moeglichen CO2Einsparungen
durch Biokraftstoffe
sehr gering sind. Ein besonders
krasses Beispiel stellt die
Bioethanolproduktion auf
Getreidebasis dar. Die Well to
WheelBetrachtung
ergibt eine
tatsaechliche CO2 Minderung
von nur
13 Prozent. Daraus ergeben sich CO2Vermeidungskosten
von 1.800 € / t CO2. Im Vergleich erscheinen dagegen die als hoch
bekannten Vermeidungskosten der Photovoltaik mit 500 € / t CO2 geradezu preiswert. Durch die
Steuerbefreiung der Biokraftstoffe soll der Kostennachteil kompensiert werden. Wird das EUZiel
einer
Biokraftstoffanteils von 5,75 Prozent am Kraftstoffabsatz bis 2010 realisiert, ergeben sich daraus
Belastungen fuer den Haushalt von bis zu 3 Mrd. €.
Schlussfolgerungen
Die Antwort auf den durch politische Unsicherheiten getriebenen oelpreis kann nicht darin bestehen,
den staerksten und wettbewerbsfaehigsten Energietraeger durch dauersubventionierte Alternativen
ersetzen zu wollen. Gerade die Tatsache, dass oel noch fuer einen langen Zeitraum zur Verfuegung
steht, eroeffnet die Moeglichkeit, Alternativen zu entwickeln, die sich mit permanent weiter entwickelten
konventionellen Kraftstoffen messen koennen. Hierzu ist es allerdings erforderlich, die Milliarden, die
heute in einer Marktdurchdringungspolitik fuer nicht wettbewerbsfaehige Biokraftstoffe verbrannt werden,
zumindest teilweise in die Erforschung zukunftsfaehiger Alternativen zu lenken. Die finanziellen
Ressourcen Deutschlands sind begrenzt. Daher sollten wir auch diese Ressourcen schonen und
moeglichst effizient einsetzen. Nur die Alternativen, die den Anforderungen an die Nachhaltigkeit,
Umweltvertraeglichkeit, Wirtschaftlichkeit und soziale Akzeptanz gleichermassen entsprechen, sind
zukunftsfaehig. Trotz ausreichender Verfuegbarkeit von oel ist es ein Gebot der Vernunft, unter
oekologischen als auch unter oekonomischern Aspekten Erfolg versprechende Alternativen zu
entwickeln. Solche Alternativen koennten dazu fuehren, dass die vorhandenen oelreserven nicht mehr
gebraucht werden und sozusagen unendlich lange zur Verfuegung stehen.
Von: Dr. Klaus Picard Mineraloelwirtschaftsverband e. V., Hamburg