Vielstoffmotor
Vielstoffmotore sind im allgemeinen Dieselmotore, die sich mit einer Vielzahl von Treibstoffen betreiben lassen, beispielsweise mit Benzin, Petroleum, Kerosin, pflanzlichen oelen, Alkohol und anderen, die teilweise eine sehr geringe Cetanzahl haben.
Fuer diesen Zweck sind einige Modifikationen des Dieselmotors noetig. Zum einen muss man technische Loesungen vorsehen, um die Temperatur der Ladung so zu erhoehen, dass sich alle in Frage kommenden Stoffe innerhalb des zulaessigen Zuendverzugs von selbst zuenden. Dies kann durch Erhoehen der Verdichtung oder eine Ansaugluftvorwaermung erfolgen. Eine Ansaugluftvorwaermung laesst sich durch Aufladung ohne Ladeluftkuehler, Abgasrueckfuehrung oder elektrische Heizung im Ansaugtrakt erreichen. Unterstuetzend wird dabei eine Zuendkerze oder eine Gluehkerze im Brennraum eingesetzt.
Des weiteren muss die Einspritzpumpe an den Schmieroelkreislauf angeschlossen werden, da einige der Treibstoffe keine Schmierwirkung haben. Schliesslich werden alle Dichtungen so ausgelegt, dass sie durch die Treibstoffe nicht aufgeloest werden.
Beispiele: M-Motor, Elsbettmotor, Gluehkopfmotor
Anwendungen
Vielstoffmotore werden heute hauptsaechlich im militaerischen Bereich angewandt, um moeglichst unabhaengig von den zur Verfuegung stehenden Treibstoffen zu sein.
Einige Fahrzeuge der Bundeswehr verfuegen ueber Vielstoffmotore.
M-Motor
Beim M-Motor handelt es sich um einen speziellen Dieselmotor, bei dem die Vorkammer Bestandteil des Kolbens ist. Hierbei wird der Kraftstoff durch eine Einlochduese tangential in eine kugelfoermige Vertiefung im Kolben gespritzt. Er verteilt sich als Film an der Oberflaeche und dampft dann, mit steigender Motortemperatur entsprechend staerker, ab. Dadurch werden auch eine kurze Brenndauer, ein leiser Gang und wenig Russ erreicht. M-Motoren wurden von Siegfried Meurer bei MAN entwickelt und wurden in den 1960- und 1970er Jahren serienmaessig eingesetzt. Fuer damalige Verhaeltnisse waren sie sehr sparsam und sauber, ausserdem sind sie als Vielstoffmotoren geeignet.
Elsbett-Motor
Der Elsbett-Motor ist ein sehr sparsamer und hocheffizienter, von Ludwig Elsbett aus Thalmaessing entwickelter direkt einspritzender Dieselmotor, der auch mit chemisch unbehandelten Pflanzenoelen betrieben werden kann.
In den Jahren 1973 bis 1978 wurden erste serienmaessig hergestellte direkteinspritzende Dieselmotoren fuer PKW auf den Markt gebracht, die die TDI-Motorentechnik vorwegnahmen. Fuer den Elsbett- Motor ist aufgrund des hohen Wirkungsgrades keine Wasserkuehlung erforderlich, sondern ein kleiner oelkuehler reicht aus, die ueberschuessige Abwaerme abzufuehren. Das Schmieroel ist gleichzeitig Kuehlmittel.
Charakteristische Merkmale des Elsbettmotors sind der Gelenkkolben, die Rotationsspuelung und Vielstoffeignung, die durch ein sogenannt "nicht wandverteilendes" Einspritzverfahren realisiert wurde. Der Kraftstoff muss hierzu sehr praezise in den Verdichtungsraum eingespritzt werden und darf die Waende (Zylinderkopf, -wand und Kolbenboden) moeglichst nicht beruehren. Dadurch wird ein Verkoken des Motors vollstaendig vermieden und es koennen nahezu alle "dieselaehnlichen" Kraftstoffe, auch Pflanzenoele hoher Viskositaeten eingesetzt werden.
Der hoehere Herstellungspreis wirkte sich leider hemmend auf die Verkaeufe aus.
Elsbett startete zuletzt einen Versuch mit dem bayrischen Traktorenhersteller Eicher, der bereit war, einen "Elsbett-Eicher" anzubieten. Dieser wurde auch auf der Agritechnica ausgestellt. Da sich aber Eicher aufgrund stark sinkender Zulassungen von Traktoren selbst in einem Abwaertsstrudel befand und kurz darauf die Standard-Traktorenherstellung einstellte, blieb dieser Versuch (leider)erfolglos.
Gluehkopfmotor