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Erdoel Lexikon

Benzin

 

UN-Nummer 1203
Gefahrnummer 33
Kurzbeschreibung farblose, phenolartig riechende Fluessigkeit.
Aggregatzustand fluessig
Dichte 0,70 - 0,74 g/cm³
Schmelzpunkt ca. -45 °C
Siedebereich 0-210 °C ( homogenes Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe )
Flammpunkt < -21 °C
Explosionsgrenze 0,6-8 Vol.-%
Zuendtemperatur 200 °C
Temperaturklasse T3
Explosionklasse II A
Energiedichte pro Liter 8,9 kWh/l = 32 MJ/l
Energiedichte pro Kilogramm 12 kWh/kg = 43 MJ/kg

Benzin ist ein komplexes Gemisch aus ueber 100 verschiedenen ueberwiegend leichten Kohlenwasserstoffen, deren Siedebereich zwischen dem von gasfoermigen Kohlenwasserstoffen und Petroleum/Kerosin liegt. Es wird hauptsaechlich durch Raffination und Weiterverarbeitung von Erdoel gewonnen und als Kraftstoff fuer Verbrennungsmotoren (besonders Ottomotoren) verwendet. Es gibt verschiedene Arten von Benzinen, die sich in der Art Zusammensetzung der Kohlenwasserstoffe unterscheiden.

Herstellung und Zusammensetzung

Die fuer Benzin benoetigten Kohlenwasserstoffe werden normalerweise durch fraktionierte Destillation und Cracken in Raffinerien aus Erdoel gewonnen. Benzin wurde in Deutschland im zweiten Weltkrieg auch aus Kohle durch Kohleverfluessigung gewonnen. Dabei wurde der Wasserstoffbedarf durch die endotherme Reaktion von Kohle und Wasser gedeckt (Kohlevergasung). Der hohe Energieaufwand und der hohe CO2-Ausstoß machen das Verfahren in der heutigen Zeit unwirtschaftlich, da billigeres Erdgas oder Erdoel zur Verfuegung steht.

Die Kohlenwasserstoff-Molekuele im Otto-Kraftstoff enthalten 5 bis 11 Kohlenstoffatome.

Bestandteile des Normalbenzins:

1. verschiedene Kohlenwasserstoffe
2. verschiedene Ether
3. hoehere Alkohole (verhindern Einspritzvereisung)
4. Phenole (gegen Benzinalterung durch Autoxidation (Oxidation an Luft)
5. Komplexbildner (verhindern, dass freie Metallionen im Benzin vorkommen)
6. Amine - (Korrosionsschutz)

Fuer die Verwendung in Ottomotoren ist die Oktanzahl (ROZ) von Bedeutung. Die Oktanzahl (ROZ) ist ein Maß fuer die Klopffestigkeit im Motor. Je hoeher die Oktanzahl desto hoeher ist die Klopffestigkeit. Zur Veredelung des Rohbenzins werden Additive hinzugesetzt. Das Rohbenzin unterscheidet sich hierbei bei den verschiedenen Mineraloelkonzernen nicht, es stammt haeufig sogar aus derselben Raffinerie. Dem Rohbenzin wird dann das jeweilige Additivpaket des belieferten Konzerns beigemischt. Die wichtigsten Benzinarten sind in der Norm DIN EN 228 festgelegt.

Benzin in der Europaeischen Union besteht aus folgenden Stoffgruppen:

* 35 Vol.-% Aromaten
* 18 Vol.-% Alkene
* 1 Vol.-% Benzol
* 50 ppm Schwefel
* 46 Vol.-% Alkane, MTBE und die diversen weiter oben erwaehnten Additive

die Mittlere molare Masse betraegt ca. 100 g/mol.

Die genaue Zusammensetzung von Benzin variiert sehr stark in Abhaengigkeit von dem in der Raffinerie eingesetzten Erdoel und einer Vielzahl von Parametern wie die in den jeweiligen Staaten gueltigen technischen Regeln.

Arten von Benzin

  • Normalbenzin (ROZ 91) (In der Schweiz, Spanien, Schweden und anderen Laendern nicht erhaeltlich)
  • Super(benzin)/Eurosuper (ROZ 95) (Schweiz: 'Bleifrei 95')
  • Super plus (ROZ 98) (Schweiz: 'Bleifrei 98')
  • V-Power/ultimate 100 (ROZ 100) (nur bei Shell/Aral-Tankstellen)
  • Flugbenzin (ROZ 100) (bleihaltig)

Etymologische Herkunft

Der Name Benzin geht auf den deutschen Chemiker Eilhard Mitscherlich zurueck. Er bezeichnete damit allerdings unser heutiges Benzol. Mitscherlich benannte den Stoff nach dem von ihm benutzten Ausgangsstoff, dem Benzoeharz. Die Zuordnung zu unserem heutigen Benzin geschah durch Justus von Liebig.

Der urspruengliche Name stammt von dem arabischen Wort luban dschawi - "Weihrauch aus Java". Dieser Begriff gelangte durch arabische Handelsbeziehungen mit Katalonien nach Europa. Mit dem Wegfall der ersten Silbe und der aenderung des ersten a zu e entstand im Italienischen benjuì, im Mittellateinischen benzoë, woraus sich das deutsche Wort Benzol entwickelte. Im Jahr 1833 erfand Michael Faraday die Herstellung von Benzin, er nannte es damals bicarbure d'hydrogène, bevor es von Eilhard Mitscherlich in Benzin umgetauft wurde.

Die Bezeichnung Benzin steht demnach (wie manchmal faelschlicherweise angenommen) in keinem Zusammenhang mit dem Motorenbauer Carl Benz.

Bleifrei

Bleifrei heißt eine Motorenbenzinsorte, wenn ihr zur Verbesserung der Oktanzahl keine bleihaltigen Klopfschutzmittel zugesetzt wurden.

Bleifreies Normalbenzin (91 Oktan) wurde 1984 in Deutschland eingefuehrt, Super bleifrei (95 Oktan) 1985, als die PKW zunehmend mit Katalysatoren ausgeruestet wurden. 1988 wurde der Verkauf von verbleitem Normalbenzin in der Bundesrepublik verboten; ab 1996 verzichtete die Mineraloelindustrie auf den Verkauf von verbleitem Superbenzin und seit dem Jahr 2000 darf in der EU kein verbleiter Ottokraftstoff mehr angeboten werden.

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