Im November 2002 wurde den Zuschauern der BBC-Fernsehsendung ueber Autos "Top Gear" eine interessante Demonstration geboten. Etwa fuenf Liter gebrauchten Fritieroels von einem oertlichen Imbiss wurden durch ein Tuch gefiltert, ein Teeloeffel Ethanol hinzugefuegt und die Mischung in den leeren Tank eines alten Volvo-Diesels gekippt. Das Auto startete, befuhr die Teststrecke und bitteschoen! Die Zukunft der Energieversorgung fuer unsere Fahrzeugflotte war gesichert ...
... oder fast. Was in der Sendung nicht erwaehnt wurde, waren eine Anzahl von Problemen wie Haltbarkeit, Kaltstartfaehigkeit, Umweltleistung usw., die der gelungenen Story ihre Wirkung haetten rauben koennen. Das Ziel des vorliegenden Beitrags besteht darin, bei dieser Debatte die "Luecken zu fuellen" und eine Nische fuer reine Pflanzenoele zu suchen, in der sie sowohl zur Agrarwirtschaft als auch zur Nachhaltigkeit des Verkehrssystems einen bedeutenden Beitrag leisten koennten.
Das Interesse an der Verwendung von Pflanzenoel als Kraftstoff fuer Fahrzeuge reicht bis zu Rudolf Diesel zurueck, der Pflanzenoel bereits vor einem Jahrhundert als langfristige Kraftstoffquelle fuer Dieselmotoren betrachtete
Das Interesse an der Verwendung von Pflanzenoel als Kraftstoff fuer Fahrzeuge reicht bis zu Rudolf Diesel zurueck, der Pflanzenoel bereits vor einem Jahrhundert als langfristige Kraftstoffquelle fuer Dieselmotoren betrachtete. In juengerer Zeit hat der Agrarsektor verstaerktes Interesse gezeigt, da Pflanzenoel offensichtlich einen Absatzmarkt fuer Agrarerzeugnisse darstellt. Urspruenglich herrschte die ueberzeugung, dass diese oele direkt unter geringfuegiger Verarbeitung verwendet werden koennten. Versuche durch die Motorenindustrie haben gezeigt, dass herkoemmliche Dieselmotoren anfangs zufriedenstellend funktionieren, jedoch schnell Probleme hinsichtlich der Lebensdauer entwickeln, insbesondere im Bereich der Kraftstoffeinspritzung, Kolbenringe und Schmieroelstabilitaet. Aus diesem Grund muss der Motor veraendert werden. Der Umbau ist gegenwaertig vor allem in Deutschland, wo heute ueber 5.000 Fahrzeuge mit reinem Pflanzenoel laufen, in mehreren Werkstaetten moeglich1. Die juengste Entwicklung ist, dass SVO inzwischen neben anderen bekannteren Verwandten wie Biodiesel und Bioethanol offiziell als Biokraftstoff anerkannt wurde, seitdem eine EU-Richtlinie ueber die Foerderung von Biokraftstoffen verabschiedet wurde, in der "reines Pflanzenoel von oelpflanzen" spezifisch als Kraftstoff erwaehnt wird.
Produktions- und Verbrauchspfad fuer Pflanzenoel
Fuer die Produktion von SVO koennen viele verschiedene Nutzpflanzen verwendet werden, in der Praxis wird in Europa heute jedoch nur Rapsoel verwendet. Der Produktionspfad ist relativ simpel, da einfach nur die Pflanzen gesaet und geerntet werden, das oel bei niedriger Temperatur gepresst und das Endprodukt gefiltert wird, um Unreinheiten zu entfernen. Somit kann die Produktionstechnik in beinah beliebigem Massstab angewandt werden.
Als Quelle fuer Pflanzenoel dient eine breite Auswahl von Nutzpflanzen, in der Praxis findet im heutigen Europa jedoch nur Rapsoel weiten Gebrauch
Die Produktion wird durch die Verfuegbarkeit von Agrarflaechen eingeschraenkt, wobei folgende Aspekte zu beruecksichtigen sind: gesamte verfuegbare Landflaeche, Konkurrenz zu anderen Nutzpflanzen (Nahrungsmittel usw.), Erfordernisse aufgrund des Saatwechsels (Raps kann nur alle 5 bis 7 Jahre auf derselben Flaeche angebaut werden) sowie das zwischen der EU und den USA gueltige Blair-House-Abkommen2, das die fuer die oelsamenproduktion verfuegbare Landflaeche in der EU begrenzt.
Wenn oel in kleinem Massstab gepresst und auf dezentralisierte Erzeugungsstrukturen zurueckgegriffen wird, ist die Endmenge oel normalerweise geringer, da man durch Kaltpressen nicht das ganze in den Samen enthaltene oel gewinnen kann. Die Ergiebigkeit liegt normalerweise bei rund 77 %, obwohl auch Werte ueber 87 % moeglich sind. Fuer groessere oelmuehlen, die Hexanloesungsmittel zur Extraktion benutzen, liegt der typische Wert um 98 % des gesamten oelgehalts der Samen3. Die Hexanextraktion ist teurer, da das zur Extraktion verwendete Hexan entfernt werden muss, bevor das Proteinmehl (das nach dem Pressen der Samen uebrigbleibt) als Tierfutter weiterverwertet werden kann. Daher handelt es sich hauptsaechlich um einen Kostenvergleich, der zu beruecksichtigen ist, wenn das Proteinmehl als Futter verwendet werden soll.
In Deutschland wurden Normen fuer Kraftstoffe aus Pflanzenoel aufgestellt, die auch in einer Anzahl anderer Laender verwendet werden
Fuer den deutschen Markt besteht ein Qualitaetsstandard (RK-Qualitaetsstandard)4, den SVO erfuellen muessen. Mehrere andere Laender halten sich auch an diesen Standard. Im Falle von reinem kaltgepresstem Rapsoel ist er leicht zu erfuellen, bei manchen auf dem Markt erhaeltlichen oelen wirft dies jedoch unter Umstaenden Probleme auf, besonders wenn sie bei hoeheren Temperaturen gepresst werden, um den Ertrag zu steigern. Daher muessten fuer eine Einfuehrung in breiterem Massstab die verschiedenen oele auf dem Markt getrennt werden, um fuer gleichbleibende Qualitaet fuer die Verbraucher zu sorgen. Die Verwendung von oelen, die zum Kochen benutzt wurden, wuerde aehnliche Probleme mit sich bringen. Ausserdem werden sie im Allgemeinen nicht als Rohstoff fuer SVO, sondern eher fuer Biodiesel angesehen.

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